Deutsch-namibische Vergangenheitsbewältigung

Deutschland und Namibia verbindet eine langjährige gemeinsame Geschichte, die auch mit schmerzlichen Erfahrungen verbunden ist.  

Während der deutschen Kolonialherrschaft über Namibia kam es zu einer blutigen Niederschlagung der Aufstände im damaligen Deutsch-Südwestafrika durch die kaiserliche Schutztruppe, der zahlreiche Angehörige der namibischen Völker zum Opfer gefallen sind. Überlebende Herero, Nama und Damara wurden in Lagern gefangen gehalten, zu Zwangsarbeit gezwungen, deren Brutalität viele nicht überlebten. 

Bekenntnis zu historischem Erbe

Der deutsche Sonderbeauftragte Ruprecht Polenz im Gespräch mit Nachfahren derer, die die blutige Niederschlagung der Aufstände überlebt hatten Bild vergrößern (© Botschaft Windhuk) Die Bundesregierung bekennt sich zu diesem schweren historischen Erbe und der daraus resultierenden moralischen und historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia, einer Verantwortung, die der Deutsche Bundestag in zwei Entschließungen (1989 und 2004) festgestellt hat und die eine Sonderbeziehung zwischen beiden Staaten und Völkern begründet.

Der Deutsche Bundestag hat in seiner Resolution vom 16. Juni 2004 "Zum Gedenken an die Opfer des Kolonialkrieges im damaligen Deutsch-Südwestafrika" an den besonderen Charakter der deutschen namibischen Beziehungen erinnert. Er hat die besondere historische und moralische Verantwortung der Bundesregierung gegenüber Namibia bekräftigt.

Erklärung des Deutschen Bundestages vom 16. Juni 2004

Gedenkjahr 2005

Am 29. Oktober 1905 kam der legendäre Nama-Führer Hendrik Witbooi bei einem Gefecht mit der deutschen Schutztruppe ums Leben. Zum 100. Jahrestag überreichte der damalige deutsche Botschafter Dr. Wolfgang Massing bei den Gedenkfeierlichkeiten in Gibeon dem Urenkel des Nama-Führers, Pfarrer Dr. Hendrik Witbooi, Kopien von Tagebüchern von Captain Witbooi.

Die Originaldokumente, die sich zuvor im Privatbesitz eines deutschen Sammlers befanden, wurden dem Nationalarchiv Namibias übergeben. Diese Dokumente sind von der UNESCO in das "Memory of the World Register" aufgenommen worden.

Deutsche Übersetzungen der Witbooi-Briefe können Sie hier lesen.

Versöhnungsverhandlungen mit Namibia Die Sondergesandten beider Länder, Dr. Zed Ngavirue und Ruprecht Polenz, im Dezember 2015 in Namibia Bild vergrößern (© Botschaft Windhuk)

Die Bundesregierung führt mit der demokratisch gewählten Regierung von Namibia Gespräche über eine zukunftsgerichtete Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit. Dazu finden regelmäßig Gespräche statt. Sie verlaufen im gegenseitigen Vertrauen und konstruktiv.

Ende September 2017 fand eine weitere Gesprächsrunde in Berlin statt. Die Sonderbeauftragten beider Länder haben dazu eine Pressemitteilung formuliert, die Sie hier lesen können:

Deutsch-namibische Verhandlungen zur Vergangenheitsbewältigung (Pressemitteilung vom 29.09.2017)