Brief von Gouverneur Leutwein an Hendrik Witbooi am 21.10.1904 (deutsche Übersetzung)

21. Oktober 1904

An den Kapitän H. Witbooi Rietmond

Deinen an den Kapitän Hermanus von Wyk gerichteten Brief habe ich gelesen. Ich habe jedoch aus demselben nur verstanden, daß Du Deinen bisherigen Standpunkt verlassen habest, nicht aber, aus welchem Grunde dies geschehen ist. Letzteres ist mir aber sehr wichtig.
Ich bitte Dich daher, nachträglich mir mitzuteilen, welches die Ursachen sind, daß Du Dein heilig gegebenes Wort gebrochen -und Rebell gegen die deutsche Regierung geworden bist.

Ich selbst kann bei allem Nachdenken keine Ursache zu Deinem Aufstand finden. Du bist sowohl von mir, wie von Bezirksamtrhann Burgsdorff immer gut behandelt worden. Auch für die Zukunft hatten wir mit Dir nur gutes vor, als Dank dafür, daß Du seit 10 Jahren uns gegen alle unsere Feinde treu geholfen hast, zuletzt sogar gegen die Hereros, welche jetzt geschlagen und nach schweren Verlusten geflohen sind.

Deinen noch bei meinen Soldaten im Kriege gegen die Hereros befindlichen 80 Leuten habe ich die Waffen abgenommen und sie ins Gefängnis setzen lassen. Dort werde ich sie bis zur Beendigung Deines Aufstandes lassen. Ihre Behandlung wird sich nach Deinem Verhalten gegen wehrlose Weiße, welche in Deine Händefallen, richten.

Ich bin der Kaiserl. Gouverneur:
gez. Leutwein